Wer mit der Schweiz Gemütlichkeit und Behäbigkeit verbindet, wurde beim Konzert der von dort kommenden Band UNTRUE am Samstag im IL GATTO schnell eines Besseren belehrt. Mit ihren modernen, abwechslungsreich arrangierten Eigenkompostionen eroberten sie im Sturm die musikalischen Seelen der Zuhörer.
Wie der IL GATTO-Inhaber mitteilte, konnte die Pop-Band – wie schon einige andere Gruppen vor ihr – über das Internet gefunden und engagiert werden. Auf diese Weise ist erst heut möglich, solche Pretiosen, zu denen man UNTRUE sicher zählen darf, überhaupt zu entdecken. Wer die „Empfehlung des Monats“ (laut Programm der Livebühne) folgte, wurde sicher nicht enttäuscht und durfte einen musikalischen Leckerbissen der Extraklasse miterleben.
Man hatte nie das Gefühl, dass es sich hier
„nur“ um ein Trio handelt. Die Besetzung war genau richtig für den
Charakter und die Stimmungen der einzelnen Songs. Das fabelhafte Zusammenspiel
des Schlagzeugers Martin Müller und des Bassisten Jürg Maag –
geprägt von viele überraschenden Breaks, Dynamik- und Rhythmuswechseln
– bildete die ideale Grundlage für Norbert Brassers filigrane Gitarrenriffs/–soli
und seine markant-hohe, an Sting erinnernde Gesangsstimme. Zwar war der
Einfluss dieses Giganten der Rockmusik unverkennbar. Jedoch hatte man niemals
das Gefühl, es handle sich hier nur um irgendwelche Plagiate sondern
vielmehr um eigenständige, einprägsame, gefühlvolle, mit
Überraschungsmomenten gespickte Songs mit besonderem Charakter, die
ausserdem den Akteuren viel Freiraum für Improvisationen liess.
Das langsame, im 15/8-Feeling gespielte Stück
„The Week“ sowie das rhythmisch schwierige „Blast From The Past“ im 7/4-Takt
sind herausragende Beispiele für die Fähigkeit der Schweizer
Formation. Hier erkennt man, wieviel Potential in der Gruppe steckt und
welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung sich doch für die
gute, alte Rockmusik bieten.
Zu den Highlights im Programm gehörte „Devil’s
Dance“, das unkonventionell mit einem hinreissend gespielten Drumsolo beginnt
und zeigt wie „melodiös“ ein Schlagzeug klingen kann. Der Bassist
steigt ein und demonstriert seinerseits in einem Solopart, was in den vier
„dicken Saiten“ steckt. Schliesslich endet das Stück in einem überraschenden
Wechsel in den Samba-Rhythmus und klingt mit typische Trillerpfeife
und „Percussion pur“ aus. Andere Songs wie „Drivin“ oder das zum Abschluss
gespielte „Heaven“ haben unverkennbar Hit bzw Ohrwurmqualitäten.
Ein restlos begeistertes Publikum, forderte frenetisch
und lautstark „Zugabe“, worum sich die Drei nicht lange bitten liessen.
Ihr gelungenes Neuburger Konzertdebüt endete mit dem Fade out der
Nummer „September 1976“, bei der die Band beeindruckend zeigte, wie leise
man auf verstärkten Instrumenten und Schlagzeug überhaupt spielen
kann
Hans Götz (hagö), Musikkritker, Neuburg bei München